Donnerstag, 5. März 2015
Das Wir gewinnt
Hier wurde debattiert, was es mit der Schuldlust auf sich hat, und da Menschen, die eine kollektivistische Diktatur noch vor sich haben, hierbei vor einem Rätsel stehen, erklären wir es gern wieder.

Wer von der Schuld-von-uns-Deutschen spricht, gewinnt zweierlei. Es handelt sich gerade nicht um eine Befragung des eigenen Gewissens und bedeutet eben nicht sich einer Verantwortung stellen im Sinne „es waren die meinen“, sondern eine Verteilung der Last auf die Allgemeinheit, also eine Entlastung seinerselbst, ein Nichtsdafürkönnen mit schuldbewusster Rhetorik. „Es waren die euren.“
Und damit eine Zuweisung von Schuld und ein Machtinstrument. Derjenige, der so redet, ist bereits der bessere. Und zu den besseren Deutschen zu gehören, das ist der deutsche Traum.

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Mittwoch, 4. März 2015
Schulstoff
Auf n-tv.de ist zu lesen, Grundschullehrer sind besorgt: Jedes vierte Kind gilt als „unbeschulbar“.

Lassen wir mal außer acht, woran das liegen könnte, und überspringen wir das Entsetzen, dass bei jedem vierten Kind nichts zu machen ist und hier nur die extremen Fälle gezählt sind, und überlegen, was wohl diesbezüglich passieren wird. Ja gut, nichts, aber was noch?

Erst einmal wird unbeschulbar zum Unwort des Jahres oder zum stigmatisierenden Ausdruck erklärt, der den Kindern jede Chance nimmt. Sodann werden Anstrengungen unternommen, die Beschulung in der Schule als eigentliche Problem anzusehen, durch das viele Kinder ins Abseits gestellt werden. Dann wird der Datanschutz ausgeweitet, so dass man nicht mehr unterscheiden kann, welche Kinder wie potenziell kompetent sind.
Schließlich werden die Kinder, die noch was können könnten, davon abgehalten, irgendeine Art von Erfolg zu haben, auf den sie sich was einbilden könnten.
Das ist keine Prognose, wir sind mittendrin.

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Dienstag, 3. März 2015
Unerklärlich
Die Süddeutsche Zeitung befasst sich mit der Frage: „Vom Informatiker zum Henker -- Er wuchs in wohlbehüteten Verhältnissen auf und studierte in London. Jetzt rätselt Großbritannien: Wie wurde Mohammed Emwazi ein IS-Henker?“, wobei die Deutung kursiert, es müsse dann wohl die Vernehmung durch den Geheimdienst gewesen sein, die ihn radikalisiert hat, denn wenn alles andere ausfällt, muss das, was übrigbleibt, die Wahrheit sein. Irgendwie findet sich halt doch etwas, das passt.
Doch in der Beschreibung selbst könnte ein Schlüssel zur Lösung des Rätsels liegen; die Bewertung der Umstände, der sozialen Verhältnisse, ist eine Außenansicht. Die Person kommt darin gar nicht vor. Es ist denkbar, dass dieses Nichtvorkommen einen Mangel an Selbstschätzung bewirkt, der nach einem Ausgleich strebt und sich in Allmachtsphantasien niederschlägt. Dem Bösen ist damit die Tür geöffnet. Wenn der Mann auf eine Ideologie stößt, die das Böse anregt und legitimiert, läuft die Sache.

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Montag, 2. März 2015
Zerstörung ist Bereicherung
Mit Recht weisen einige journalistische Beobachter darauf hin, dass andere journalistische Beobachter einen größeren Schrecken bekommen, wenn der Islamische Staat Kulturgüter zerstört, als wenn er seiner Haupttätigkeit nachgeht und Menschen ermordet. Zutreffend ist die Deutung, dass den Journalisten das Kulturelle näher steht als das Menschliche; hier seien sie in ihrem Metier betroffen, heißt es.
Das stimmt, ist aber nicht vollständig.
Sie sind nämlich zuerst in ihrer Ideologie betroffen, die da verlangt, alle Kulturen als kulturelle Bereicherung zu sehen und jeden Menschen als Gewinn für bunte Vielfalt. Diesem Konsens widerspricht, dass die Kultur weniger wird, wo es multikulturell zugeht. Dass die Islamstaatler sich so offen gegen die grüne Lehre positionieren, ist rücksichtslos und undankbar. Das nehmen Journalisten sehr persönlich.

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Sonntag, 1. März 2015
Vollzogene Integration
Das Anraten, keine Kippa zu tragen, wird selbstverständlich journalistisch aufbereitet; heute früh im Deutschlandfunk befragte der Moderator einen Soziologieexperten zum Thema Antisemitismus, wobei das Gespräch den erwartbaren Verlauf nahm; man erwartet mittlerweile geradezu, dass die Geschichte des europäischen Antisemitismus aufbereitet wird ohne die Benennung, vor wem genau gewarnt worden wäre.
Soziale Ursachen, gesellschaftliche Spaltung, das vermeintlich Fremde und das fremde Vermeintliche.
Der Antisemitismus gehört zu Deutschland.
Ein schönes Zeichen von Willkommenskultur und Integrationsleistung.

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Samstag, 28. Februar 2015
Zeichen der Wanze
Focus.de hat die heutige Schreckensmeldung: „Insekt gegen Reptil: Riesige Wasserwanze macht hungriger Schlange zu schaffen.“
Das war noch nicht das Erschreckende.
„Die Größe dieser Wasserwanze ist außergewöhnlich. Das begreift auch diese Schlange, die sich auf einen Kampf mit dem Insekt eingelassen hat. Wobei trotzdem nicht ganz klar ist, wer hier eigentlich der Unruhestifter war.“
Die Größe der Wasserwanze mag erstaunen, aber auch nicht erschrecken.
Journalisten schreiben alles ab, was abzuschreiben geht, das gehört zum Berufsbild. Da laufen Vorbereitungen auf Hochtouren, sind Verträge unter Dach und Fach, werden Zeichen gesetzt.
Neu ist, dass es wieder Unruhestifter gibt. Hat die Schlange provoziert, oder hat die Wanze Gefühle beleidigt? Wenn man schon Kategorien aus der Zivilisation anwendet, wäre immer noch die richtige Frage, wer angegriffen hat und wer sich verteidigt. Aber das sind Einordnungen, mit denen Journalisten keinen Unfrieden stiften wollen. Die Parallelen sind zu augenfällig, als dass es Zufall sein könnte, dass diese Beschreibung der Denkhaltung entspricht, die zu Deutschland gehört und dennoch nicht stattfindet.

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