Montag, 22. September 2014
Auch eine Form von Sex-Dschihad
Der Tagesspiegel ist ziemlich zuverlässiger Lieferant von orthodoxem Schmarrn, jetzt wieder mit dem Aufmacher, Deutschland braucht einen starken Islam, denn nur selbstbewusste Muslime können sich gegen Extremisten in den eigenen Reihen wehren, deshalb solle der Staat den Islam als gleichberechtigte Religion anerkennen.
Das muss man nicht lesen, das wird nicht verlinkt, es ist genauso, wie man es sich jetzt denkt.
Aber warum ist das so? Was reitet die Verfasserin, eine mutmaßliche Frau?

Was sie da formuliert, ist ja keine Analyse, auch keine Prognose. Es ist ein Wunsch. In der Ideologie ist der Wunsch seine eigene Erfüllung; die Belohnung steckt in der Aussage.
Wieso wünscht sie sich selbstbewusste Muslime?
Nicht, weil die Selbstachtung, die Individualität, der Schlüssel zur Zivilisiertheit ist, das leistet der Islam gerade nicht und soll er auch nicht.
Sie wünscht sich, was sie selbst nicht hat. Sie hat nie erfahren, dass sie als Person einen nicht verhandelbaren Wert hat, das kommt in der Ideologie nicht vor, und als Mitglied der Nation erst recht nicht. Für ihren Wunsch sind „die anderen“ zuständig, auf die sie ihn projiziert.
Sie wünscht sich einen starken Partner.

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Sonntag, 21. September 2014
Martenstein-Experiment
Heute macht Martenstein auf tagesspiegel.de ein satirisches Experiment, er verfasst einen Artikel über IS in der Argumentationsstruktur der Putin-Versteher. Zeigen möchte er, vermutlich, dass auch die Putin-Versteher falsch liegen, wenn man das gleiche auch beim IS anbringen kann. Gute Ambition.
Doch was kommt heraus?
Ein taz-Artikel.

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Samstag, 20. September 2014
Kraft ohne Freude
Es lohnt sich, den weiteren Verlauf von Hannelore Kraft zu beobachten. Nicht, weil sie so gut wäre, auch nicht, weil sie so schlecht wäre – das Land runterschrubben, um mehr Geld zu fordern, ist sozialdemokratischer Standard – sondern, weil sich daraus etwas lernen lässt.
Sie befindet sich im Niedergang, im Abstieg. Sie folgt der dramaturgischen Form vom Aufstieg bis zum Wendepunkt und anschließendem Sinken.
Was geschah an diesem Wendepunkt?
Sie hat bekanntgegeben, und das auch noch glaubhaft, nicht Bundeskanzlerin werden zu wollen. Eigentlich sympathisch und geradezu verantwortungsvoll gegenüber Deutschland, aber für ihre Gefolgschaft bedeutet das: alle, die etwas werden wollen, sind nun entweder geworden, was sie werden können, oder müssen sich nach einem anderen Herren umsehen, in dessen Gefolgschaft sie noch mehr werden können.
Sie ist angreifbar; wer jetzt noch schützend zu ihr steht, hat Nibelungenveranlagung.
Wir verstehen nun, ohne uns deshalb weniger davor zu fürchten, dass Sigmar Gabriel, Andrea Nahles, U.v.D. Leyen und Bodo Ramelow Bundeskanzlerin werden wollen müssen.

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Freitag, 19. September 2014
Für das Leben lernen
Ein nettes Foto auf stern.de zeigt Schüler, teils eingewickelt, mit dem Text:
"Mit Islamunterricht gegen Islamisten
Eine Lehrerin (Mitte), zehn muslimische Hauptschüler, Islamunterricht in NRW. Die Fragen: Darf man im Namen Allahs töten? Sind Schwule Menschen? Ist Zwangsheirat richtig? Im neuen stern."

Schön, dass Ethikunterricht auch zusammen mit Islam angeboten wird. Aber die entscheidende Frage ist doch: Wieso müssen solche Fragen überhaupt diskutiert werden?

Hoffentlich haben die Schüler auch wirklich das Gefühl, dass hier ergebnisoffen diskutiert wird. Nicht, dass sie sich bevormundet fühlen und vor Ausgrenzung verzweifeln.

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Donnerstag, 18. September 2014
Der Unterschied zwischen Ehrlichkeit und Ehrbarkeit
Jakob „Augstein“ fand die Aufregung über die Scharia-Polizei übertrieben, Journalistin Sounia Siahi widerspricht:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/salafisten-journalistin-sounia-siahi-reagiert-auf-augstein-kolumne-a-991888.html

Gehörig fängt Sie an: "Hallo Herr Augstein, ich bewundere Sie als Journalisten sehr“, um dann dazu überzuleiten, dass er sich geirrt habe. Sie als Frau, Muslimin, sehe und spüre die Bedrohung. Er vermöge nicht zu sehen, was „nur wir muslimischen Frauen wahrnehmen: Es sind die Blicke, Gesichtszüge, Bewegungsabläufe und Zuflüsterungen, die Ihnen komplett entgehen. Das führt dazu, das ich mich unwohl fühle und mich oft nur verkrampft durch die Stadt bewege ... Jetzt aber greifen diese Anmaßungen, Bedrängungen und Nötigungen aus Ländern, die ich meinte, hinter mir gelassen zu haben, in mein wunderbares Deutschland.“
Pirincci in lieb sozusagen.

Jakob Augstein antwortete auf die „Anmerkungen der jungen Journalistin“, im selben Beitrag zu lesen.
Und nun überlegen wir mal, was er sagen könnte.
Wenn er ehrlich ist, was würde er ihr schreiben? Dass sein Artikel für sie gar nicht gedacht ist. Dass es gar nicht um sie geht. Dass sie mit ihren persönlichen Erfahrungen zwar um einige Erfahrungen reicher ist als er, dass er aber den Durchblick hat. Dass Ideologie den Vorrang vor Realität hat. Dass er für Weiße schreibt, für Mittelschichtler, die so was wollen. Dass er Feindpropaganda betreibt. Und sich von ihr sein Geschäftsmodell nicht vermasseln lassen will.

Und jetzt -- na so was, der Mann ist ehrlich! Er schreibt genau das.

Nun wäre die Frage an Sounia Siahi: Halten Sie ihn immer noch für einen großen Journalisten?

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Mittwoch, 17. September 2014
Warum Politiker links sein wollen
Gelegentlich ist das Zitat von Johannes Gross zu vernehmen, der im FAZ-Magazin schrieb, Politiker stehen seltsmerweise linkser als die, von denen sie gewählt sind. Warum, hat er nicht gesagt.

Es liegt an der Frage der Herrschaft.
In der Demokratie ist es so gemeint, dass die Mandatsträger wiedergewählt werden, die dem Gemeinwesen den besten Dienst erweisen.
Wer aber einmal dran ist, dessen Hauptinteresse besteht darin, dranzubleiben. Also zu herrschen. Er muss darstellen, dass er besser ist als die Beherrschten. In der Demokratie darf er das aber nicht so nennen, er muss darstellen, für etwas zuständig zu sein, wo die Beherrschten nicht dazu kommen, volkstümlich verständlich ausgedrückt. Sein Projekt kann also nicht mehr sein, Bedingungen zu garantieren, unter denen freie Wirtschaft gedeiht und man sich am besten um seine Kinder kümmern kann. Sondern etwas, das nur der Staat kann und der Staat nur tut, wenn man ihn wählt. Denn die anderen Politiker sind dafür zu böse und das Volk ist zu dumm.
Das Handeln ist darauf gerichtet, dass der Staat noch besser ist, die anderen noch böser sind und das Volk noch dümmer wird.
Nichts anderes ist links.

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