Sonntag, 26. April 2015
Neues vom Simonis-Sturz
Vor zehn Jahren ließ irgend jemand Heide Simonis bei der Wiederwahl zur Ministerpräsidentin durchrasseln, was in unserer Demokratie einem Sturz gleichkommt. Seitdem wird gerätselt, wer der eine mutmaßliche SPD-Abgeordnete war, der ihr in jedem Wahlgang die Stimme verweigerte, und wofür er sich an Heide Simonis hätte rächen wollen. Gelegentlich verdächtigt wird Ralf Stegner, weil er charakterlich ins Profil passt. Aber ein logischenr Grund liegt nicht vor. Wer dann?

Es gibt einen neuen Aspekt.
Bisher war nicht bekannt oder wurde jedenfalls nicht behandelt, dass Heide Simonis vorhatte, zur Mitte der Amtszeit zurückzutreten und an Ralf Stegner zu übergeben.
Der Verweigerer hat vermutlich Ralf Stegner verhindern wollen.
Man muss nach einem verantwortungsvollen Menschen suchen.

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Samstag, 25. April 2015
Kultur und Rezension
Clint Eastwoods Film „American Sniper“ handelt von einem Scharfschützen im Irakkrieg, der den Rekord im Scharfschießen hält. Die Rezensenten, zumal die deutschen, mochten das gar nicht, ein Kriegsheld als Held.
Man kann nun durchaus der Ansicht sein, dass der Irakkrieg eine fragwürdige Angelegenheit war. Was die Rezensenten stört, ist was anderes, nämlich dass der Typ aus Patriotismus handelt und amerikanische Soldaten schützt. Eine menschliche Drohne sozusagen.
Als erstes erschießt er ein Kind. Eines, das mit einer sowjetischen Granate auf die Amerikaner losgeht. Die Empörung der Rezensenten ist nicht etwa darauf gerichtet, dass dieses Kind als Selbstmordattentäter eingesetzt wird.
Kein Problem haben sie damit und keine Erwähnung wert ist ihnen die Szene, in der ein Guerillaführer ein irakisches Kind mit einem Bohrer tötet. Das ist ja Widerstandskampf.

Die moralische Erhebung muss den Rezensenten wirklich gut tun.
Es war Krieg, und wir sind nicht hingegangen.
Wir haben vorher gesagt, dass wir nicht hingehen, was Saddam Hussein ermutigt hat, es auf Krieg ankommen zu lassen. Richtig wäre gewesen, nach außen hin Geschlossenheit mit den Amerikanern zu zeigen und intern einen Krieg abzuwenden. Aber dann hätte der Gerd die Wahl nicht gewonnen.
Merkel sagte zu Schröder, er hat damit den Irakkrieg wahrscheinlicher gemacht. Das hat keiner verstanden, dann ließ sie es wieder bleiben.

Beim nächsten Remake der Körperfresser werden die Rezensenten mehr Verständnis für die Körperfresser verlangen, sofern der Film nicht ohnehin schon darauf angelegt ist.

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Freitag, 24. April 2015
Angst
Heute was soeben Erlebtes.
Anruf eines evangelischen Pfarrers mit der Bitte, die Karikatur mit dem Text „Anschläge auf Kirchen bringen jedenfalls niemanden dazu, sich ein Schild mit ‚Ich bin Kirche’ umzuhängen“ verwenden zu dürfen mit Powerpoint bei einer Veranstaltung mit dem Titel „Ist das Abendland noch zu retten?“, wobei er sogleich nachschob: „Keine Angst, ich bin kein Pegida-Anhänger.“
Die Veranstaltung dürfte sich erübrigen.

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Donnerstag, 23. April 2015
Genderdefekt
In der TAZ steht es wieder, viele Videogames sind frauenfeindlich, weil der Prinz die Prinzessin rettet.
Man hätte womöglich gedacht, frauenfeindlich wäre, wenn der Prinz die Prinzessin nicht rettet. Das war aber im Altsprech. Neusprech ist Frauenfeindlichkeit, wenn die Frau auf die Rolle der passiven Geretteten festgelegt wird, und wo würde mehr Festlegungen getroffen als im virtuellen Raum.
Wir sind hier in der Übergangsgesellschaft. Die ausgemachte und beanstandete Feindlichkeit ist die, die den Spielen immanent ist. Man muss sie weder spielen noch mögen. Sich ausgerechnet an Geschlechterrollen zu stören und etwa an der Verwendung des als frauenfeindlich eingestuften Satzes „ich reiß dir den Arsch auf“, zeigt, dass man sich an der Gewalt nicht grundsätzlich stört, sondern sie argumentativ benutzt.
Außerdem wissen wir ja gar nicht, ob die weiblichen Figuren sich überhaupt als Frau sehen. Vielleicht sind sie ein undefiniertes Geschlecht oder transgender.
Oder wir wissen es doch, aus der Genderforschung: Das, was gerettet wird, ist weiblich.

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Mittwoch, 22. April 2015
Work-Life-Balance für Flüchtlinge
Heute sagen wir, wie man die Sache mit den Flüchtlingen regelt, wenn man davon ausgeht, dass Deutschland mit einer relevanten Anzahl solcher umzugehen hat.
Das Zauberwort ist ein ganz schlimmes, nämlich Arbeit.
Die Asylbewerber und Geduldeten leisten einen Dienst bei der Kommune, die die Kosten für ihre Unterbringung und Versorgung trägt, bis zu 35 Stunden pro Woche, verrechnet zu etwa 10 Euro pro Stunde, mit Urlaubsanspruch und Betriebsrat. Gemacht wird, was zu tun ist; dem Kommunalservice helfen, den Bürgern helfen, Park reinigen, Graffitis abschrubben, Schlaglöcher ausbessern.
Sage keiner, das nähme der freien Wirtschaft Arbeit weg; es sind keine Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, sondern Tätigkeiten für das ausgegebene Geld, zusätzlich zum Dienstleistungssektor, eine Gegenleistung mit Wertschöpfung.
Säuberung der eigenen Unterkunft gehört auch dazu.
Wer qualifiziert ist, kann woanders arbeiten oder entsprechend zu höherem Stundenlohn oder geringerer Arbeitszeit. Wer nicht will, dessen Antrag wird vorrangig bearbeitet.
Es ist allein eine Frage der Organisation, und organisieren werden wir ja noch können.
Kommunen mit mehr Flüchtlingen würden plötzlich besser dastehen. Und die Flüchtlinge hätten was geschafft und sich durch Arbeit integriert; so entsteht Zugehörigkeit.

Aber es käme einer Entmachtung der Flüchtlingswirtschaft gleich.
Und die Grünen wären dagegen, denn es wäre produktiv.
Grüne ertragen nichts, was nicht destruktiv ist.

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Dienstag, 21. April 2015
Kritiker und Rassisten
Der ermordete Chefrdakteur von Charlie Hebdo, Charb, wendet sich postum in einem Brief dagegen, dass die Schurken der Islamophobie den Rassisten in die Hände spielen; notwenig und richtig sei Religion und Ideologie zu kritisieren, grundverschieden aber, Gläubige wegen ihrer Religion oder Herkunft zu diskriminieren oder zu attackieren, so schreibt die TAZ.
Und das ist ja auch richtig, das Problem ist nur, dass es in der TAZ steht. Für die TAZ-Leser ist es damit erledigt, den Islam zu kritisieren, ob als Religion oder Ideologie. Man ist ja ganz allgemein sehr gegen Religion, bloß bei den Moslems guckt man nicht hin, um nicht wegen Herkunft oder Religion zu diskriminieren.

Diese Unterscheidung ist allerdings auch eine westliche. Eine christliche, abendländische.
Charb ist von Leuten ermordet worden, die diese Unterscheidung nicht machen. Und mit denen Leute sympathisieren, die diese Unterscheidung nicht wollen.

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