Donnerstag, 28. Mai 2015
Grüne Gewalt
Gucken wir doch mal die gängigen Idealvorstellungen gesellschaftlicher Verfasstheit durch und gehen dabei davon aus, dass die Leute, die sie vertreten, wirklich daran glauben und nicht nur Anderen etwas vormachen, um selbst für das Utopieren bezahlt zu werden: Vielfalt, Repressionsfreiheit, Gerechtigkeit, Gleichheit und so was.

Die praktische Herausforderung ist immer, dass ihre Umsetzung mit Zwang einhergehen muss, der Zwang ist also ein Nebeneffekt, den man, wenn man die Utopie verwirklichen will, notwendig braucht, der aber gerechtfertigt erscheint, weil es um das Beste geht.

Doch auch schon die Theorien selbst blenden ihre eigenen nicht abwendbaren Inhalte aus, die zutagekommen, wenn die Ideale optimal verwirklicht sein sollten. Bunte repressionsfreie Vielfalt in Gleichheit und Gerechtigkeit ist das Milieu für Verbrechen und Gewalt und deren ungebremstes Ausleben. Die Utopie wird nicht pervertiert, sie ist die Perversion. Das Grüne Kreuzberg hat die strukturelle Gewalt des Grünen Reiches praktiziert, nicht etwa übersehen.
Wer von Vielfalt redet, redet von Verbrechen und Gewalt.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Mittwoch, 27. Mai 2015
Deutscher Lindner
Manche machen sich lustig über das Motto des FDP-Parteitags, „German Mut“, das sich in die pseudoenglischen Peinlichkeiten einreiht. Gedacht war dieses als Entgegnung auf den ins Englische eingegangene Ausdruck „German Angst“. Angst, Kindergarten und Sauerkraut sind die deutschen Wörter, die es zu Lehnwörtern im englischen gebracht haben, und das sagt schon alles über unsere Kultur.
German Mut wird es nicht schaffen. Nicht nur wegen der australischen Bedeutung.
Mut machen, Mut ausdrücken, das ist eigentlich ganz richtig gedacht. Doch nicht praktiziert. Gezeigt wurde feiges Einknicken.
Lindi muss damit gerechnet haben, dass der alberne Slogan von Sprachpuristen gegeißelt würde. Er hat das Gegenteil des Slogans ausgeübt, er hat den Weg des geringsten Ärgers gewählt. „Deutscher Mut“, das hätte auch Ärger gemacht, aber richtigen. Von Leuten, mit denen er sich lieber nicht anlegt.

... link (3 Kommentare)   ... comment


Dienstag, 26. Mai 2015
Unsensible Poliziegewalt
Focus.de hat heute eine Münchner Frau, die einen rechtsradikalen Überfall vorgetäuscht hat.
Sie hat bei der Polizei zugegeben, dass sie selbst die Briefe geschrieben und sich mit dem Hammer verletzt hat.

Da muss man doch hellhörig werden und fragen: Wieso hat sie das zugegeben? Welche Methoden haben die Polizisten angewandt, um ihr das Geständnis abzupressen?
Hauptsächlich haben ihr die Polizisten einfach nicht geglaubt, und das ist schon schlimm genug. Das zeigt, dass sie nichts dazugelernt haben. Wenn sie meinen, ein solcher Mehrfachklischee-Rechtsnazi-Überfall könne sich real gar nicht ereignen und müsse demzufolge ausgedacht sein, gehören sie in eine Schulung. Sie müssen sensibel genug sein, im Falle eines derartigen Hilferufes wenn schon nicht den Täter zu finden, dann wenigstens die Schuldigen festzusetzen.
Spätestens jetzt ist die Frau das Opfer.

... link (1 Kommentar)   ... comment


Montag, 25. Mai 2015
Pfingsten
In Zeiten, in denen die Kirchen nur noch beste Grundstücke besetzen und sowieso Moscheen im Wartestand sind, sollte man sich wenigstens am Pfingstmontag daran erinnern, dass das Christentum durch Erzählen verbreitet wurde.

Es ist zwar so, dass Missionare auch mit den Eroberern kamen, auch Karl der Große wird bald neubewertet.
Man kann Völker in die Kirche zwingen, aber man kann niemandem auf andere Art als durch Erzählen die Botschaft verkünden, denn letztlich ist die Botschaft der Empfänger selbst. Die frühen Christen hatten es als Befreiung erlebt, dass ihnen ein persönlicher Wert gegeben wurde. Die Geschichte dazu ist, dass Gott sie liebt und der menschgewordene Gott sich dafür hat kreuzigen lassen. Kant wäre zu abstrakt gewesen.

Nicht jede Religion, die zu Deutschland gehört, kann durch Erzählen überzeugen.

... link (3 Kommentare)   ... comment


Sonntag, 24. Mai 2015
Schauprozess
Die gefeuerte Briefkastentante wundert sich. Steht doch gar nichts Schlimmes in ihrem Ratgebertext, sie sei doch gar nicht homophob, es sei doch um die Kinder gegangen.
Sie hat eben nichts verstanden. Homophobie, der übergesetzliche Straftatbestand, soll gar nicht die Homos schützen, sondern die Grundlage für eine Willkürherrschaft schaffen. Es geht weder um Hochzeit, Kinder, noch, schon gar nicht, um die Ratgebertante. Es geht wie in jedem Schauprozess um den Akt der Unterwerfung. Dies kann passieren, wenn ihr zu unvorsichtig seid. Aufpassen, was ihr sagt.
Die Redaktion hat verstanden.

... link (3 Kommentare)   ... comment


Samstag, 23. Mai 2015
Solidarität mit Assad
Es ist ein schwer zu fassender Gedanke, dass Assad oder Gaddafi nicht die schlimmsten Übel seien. Hauptsache weg, das kann falsch sein.
Unrecht wird nicht zu Recht durch noch größeres Unrecht. In der Beurteilung sind sie nicht zu relativieren, im Gegenteil, es ist wohl so, dass, je übler das Regime ist, das folgende Gegenregime umso übler wird; der als gemäßigt beschriebene Ben Ali konnte wegdemonstriert werden, Mubarak wurde nach bürgerkriegsartigen Kämpfen gestürzt, Gaddafi mit unterstütztem Bürgerkrieg. Die DDR konnte noch mit Montagsdemos erschüttert werden.
Indes: Medwedjew, damaliger russischer Präsident, war gegen militärisches Vorgehen gegen Assad, weil das, was danach kommen würde, ein unvorstellbares Grauen sein würde. Dann muss man wohl feststellen, dass er Recht hatte.

... link (2 Kommentare)   ... comment