Freitag, 6. September 2013
Schlussbemerkung
Viele Leser klicken hier herein, weil sie sich von mir Aufschluss versprechen hinsichtlich der Frage, ob ein Militärschlag gegen Syrien zu befürworten sei oder nicht.
Ich habe dazu noch nichts gesagt, weil ich nichts weiß. Aber nichts zu wissen kann keine Ausrede für Meinungslosigkeit sein.
Die Auffassung, das Nichtstun das Falscheste ist, hat vieles für sich. Es kommt aber auch darauf an, wer tut oder nicht tut. Da wir überhaupt keine Politik haben, die mit anderen Mitteln fortgesetzt werden könnte, wäre der Militärschlag zwecklos. Hinterher hätte man ihn auch bleiben lassen können. Nicht einmal als Demonstration der Stärke würde er taugen, weil er nur die Schwäche evident machen würde.
Assad zu bestrafen, ja, das wäre wünschenswert, aber diese begrenzte Aktion wäre fast schon Jugendstrafe mit Bewährung.
Jedoch kann man bei aller Ratlosigkeit wiederum kein Signal der Ratlosigkeit aussenden, das würde nur die Schurken ermutigen, sowohl Assad als auch seine islamistischen Gegner.
Ein Signal, militärisch oder fast, hat nur Sinn, wenn es von Assad und Islamisten gleichermaßen verstanden würde.
Am besten betreibt man die Hochrüstung der syrischen Frauen.

Dieses Blog endet hier.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

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Donnerstag, 5. September 2013
Gesellschaft, wir folgen dir nicht
Bundespräsident Gauck hat einem Ort eines SS-Massakers gesagt, das heutige Deutschland hat mit dem damaligen nichts mehr zu tun.
Da sind wir aber beruhigt. Wir sind ausreichend eingehegt und ausgedünnt, Hitler würde sich an uns die Zähne ausbeißen, wir haben ja zum Glück Grüne Jugend und Antifa. Die sind sich dessen nicht so sicher, aber man kann ja nicht genug wachsam sein.
Aber die Leute von damals? Die sind zwar weitgehend ausgestorben, aber was unterscheidet die von uns, genauer, was unterscheidet uns von denen?
Die Unschuld nicht so sehr, die damals hatten keine persönliche Verantwortung empfunden, und wir heute wollen von persönlicher Verantwortung auch nichts wissen, das würde ins Neoliberale abgleiten.
Aber damals war der Führer schuld, heute ist es die Gesellschaft, und gegen die haben wir alle was.

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Mittwoch, 4. September 2013
Friedenspreis
Die Vergabe des Aachener Friedenspreises an Schulen, die der Bundeswehr den Zutritt verweigern, wird zuweilen belächelt. Dabei zeigt sich darin gerade ein Beweis für die Friedfertigkeit der Gesellschaft. Andere Armeen hätten in einem solchen Fall die Schule besetzt.

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Dienstag, 3. September 2013
Roman ohne Gewissen
Eine Anzeige auf Perlentaucher bewirbt ein Buch namens „Das Lachen und der Tod“: Ein diabolischer Tausch – Der KZ-Häftling Hofmann wird an die Grenzen seines Gewissens geführt: Die Frau, die er liebt, wird nur am Leben gelassen, wenn er als Komiker vor SS-Leuten auftritt. Der Roman stellt die Frage, wie weit ein Mensch in seinem Überlebenswillen gehen darf.“
Nein, das tut er nicht.
Er stellt die Frage, was sich Schreiber des 21. Jahrhunderts unter Gewissen vorstellen, und beantwortet sie äußerst betrüblich. Nichts, nichts außer politischer Korrektheit. Darf man vor SS-Leuten auftreten? Gott bewahre. Demnächst noch beim Deutschlandfest von NPD oder SPD, was? Wo bleibt das Gewissen? Wer so was tut, hat nie einen Roman über Lachen und Tod gelesen.
Und das alles nur, um eine Frau zu retten, die vielleicht nur eine Randfigur der Handlung ist.
Kann man mal sehen, was der Faschismus aus den Menschen macht.

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Montag, 2. September 2013
Ende der Debatte
Gestern lief, wie einige wissen, das Kandidatenduell mit Merkel und Steinbrück, seitdem duellieren sich die Interpretatoren und Kommentatoren.
Man kommt auf Körperhaltung, Tempo, auch die Halskette zu sprechen.
Niemand, und soweit es ersichtlich ist, absolut niemand, kommt aber auf die Idee, ein Mann/Frau-Ding zu bringen. Politik, Kanzlerschaft, männlich oder weiblich, eine Frau oder lieber ein Mann? Sogar Alice Schwarzer behandelt die Weiblichkeit Angela Merkels als Tatsache und nicht als Argument.
Wir können sehr stolz sein. Marginalisierungsrhetorik wird lächerlich, mit Genderstudies können wir aufhören. Mann und Frau, diese Begriffe können sich aufs Geschlechtsleben beschränken.

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Sonntag, 1. September 2013
Neojournalismus
Journalisten und andere politische Laien standen in vergangenen Jahren öfters vor der Frage, wie man politischkorrekt die bezeichnet, über die wir nicht reden. Jede Bezeichnung ist nach kurzer Zeit wieder negativ besetzt.
Inzwischen weiß man es: gar nicht.
BMW-Fahrer schlägt „zu langsame“ Polizistin, meldet welt.de, http://www.welt.de/vermischtes/article119575608/BMW-Fahrer-schlaegt-zu-langsame-Polizistin.html .
Eigentlich müssten wir schon erfahren, wer die neuen Herren sind, damit wir uns unterordnen können. Es genügt demzufolge, sich einfach nur unauffällig zu verhalten.
Die konforme Haltung ist: na ja, diese Polizei. Uniform polarisiert (SZ).

Ein solcher Angriff gilt uns allen. Die Jugendlichen haben etwas gegen uns. Wenn unsere Feinde nicht genannt sind, verschwinden aus der Wahrnehmung auch wir.
Deshalb Ressort "Vermischtes". Darauf kommt man aber noch, dass solche bunten Meldungen nicht mehr unter "Vermischtes" laufen dürfen.

Warum aber wird die Automarke genannt? Hat das Fabrikat etwas mit der Tat zu tun?
Nein, nicht alle BMW-Fahrer sollen unter Generalverdacht gestellt werden. Es war einfach so, dass man denen zwischen den Zeilen oder hinter dem Text eins reinwürgen wollte. BMW-Fahrer haben keine sozialen Ursachen. Man braucht also nicht nach der Schuld der Gesellschaft zu forschen.
Macht zum Glück auch keiner, denn man fordert mehr Respekt für Polizisten. Man könnte auch gleich die Einführung des Grundgesetzes im Kiez fordern. Macht sich gut, geht aber nicht.

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