Montag, 27. Februar 2017
Probleme mit dem Volk
Merkel wird gerade je nach Ausrichtung gefeiert oder das Gegenteil von gefeiert für ihre Sentenz, das Volk seien alle, die hier leben. Mal abgesehen davon, dass diese Beschreibung das Vorhandensein von mehr als illusorischen Grenzen voraussetzt, was soll jetzt daran Anstößiges sein?
Es ist die Abstraktion des Staates vom Staatsvolk, eine noch weiter gehende Entfernung der Institutionen vom Souverän, der dann keiner mehr ist. Hier geht es also nicht um die Frage, wie völkisch das Volk wäre und ob das Volk divers gemischt sein könne, all das sind Angelegenheiten des Volkes selbst. Der Staat hat sich nur für das Staatsvolk zu interessieren, mehr als dessen Bestimmbarkeit geht ihn nichts an. Hier geht es darum, ob es auf das Volk überhaupt ankommt, und die Antwort wird durch die Beliebigkeit gegeben.

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Sonntag, 26. Februar 2017
Proletarisierung
Der Befund, dass die Kultur prollig wird, ist nicht von der Hand zu weisen. Gemeint wird damit, dass die Hochkultur abgeschafft wird und die Eliten kein besseres Benehmen und schon gar keinen besseren Stil haben als die Unterschicht im Schacht. Übersehen wird allerdings dabei der Aspekt, dass es so gewollt ist, weil es um Herrschaft geht.
Und das ist nicht etwa die Herrschaft des Proletariats, sondern immer noch und wieder die Herrschaft über das Individuum. Dieses soll nämlich keine Vorstellung mehr von höherer Kultur haben, also von Kultur überhaupt, es soll in entfremdeter Massenprolligkeit verharren und keinen Ärger machen.
Hatten die frühen Sozialdemokraten noch vor, Bildung dem Volk zugänglich zu machen, geht das heutige Programm dahin, Bildung abzuschaffen, Kultur zu schleifen. Die Institutionen verbrauchen dafür immer noch viel Geld, das ist wichtig, damit das Geld nicht am Ende noch für was Kulturelles reicht.
Man kann alles politische Handeln und alle Aussagen, alle Vorhaben, daran messen, ob sie der Freiheit des Individuums dienlich sind oder die Voraussetzungen für dessen Bevormundung, dessen Unmündigkeit, schaffen. Dann wird klar, dass Inklusion, Regietheater und Drogen gewollt sind, nicht dagegen Kultur und Bildung, die der Selbstschätzung und der Freiheit des Bürgers förderlich wären.
Man ist geneigt, die Diktatur des Proletariats zu erkennen. Aber es ist wieder wie gehabt die Diktatur über das Proletariat.

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Samstag, 25. Februar 2017
Klima des Faschismus
Die Oscarnominierten, darunter unsere Maren Ade, beklagen in einem offenen Brief ein Klima des Faschismus. In den USA.
Schade, dass sie den Oscar nicht gewinnt, sie könnte sich in ihrer Dankesrede, nachdem sie sich bei der Filmförderung bedankt hat, den Amerikanern tierisch den Spiegel vorhalten und zum antifaschistischen Widerstandskampf aufrufen. Muss sie nicht, machen schon die anderen.

Was hat sie denn erlebt im Klima des Faschismus? Hat ein Soziologe ihren Film als rassistisch, weil er nach einem alten weißen Mann benannt ist, bezeichnet, ist ihr Sexismus, wegen der Nackt-Szene, vorgeworfen worden, ist die Handlung rassistisch, weil die deutsche Frau in Rumänien durchgreift?

Kann ja noch werden.

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Freitag, 24. Februar 2017
Die Sprache des Grünen Reiches: Erlebende
Hier können wir beobachten, wie der Beginn einer neuen gewaltsamen Sprachregelung gemacht wird. In der TAZ gefordert: Vergewaltigungsopfer nicht als Opfer zu bezeichnen, sondern als Erlebende.
Noch, zum Anfang, gibt es Empörung und Gegenwehr. Es ist aber bezeichnend, dass in der TAZ keine Hemmung bestanden hat. Denn es geht um Opfer eben nur so lange, wie man sie benutzen kann zur Machtergreifung, zum Kampf gegen die, die auf den Positionen sind, die man einnehmen möchte. Hat man es geschafft, sind Opfer im Wege. Sobald man die mediale Welt dominiert, also über die Ideologie bestimmt, ist die reale Welt feindlich, besonders, wenn sie nicht paradiesisch ist, und alle, die etwas Unparadiesisches erleben, sind Gegner. Feinde.

Es gab entsetzte Artikel, etwa in der FAZ, aber der gebührende Aufschrei oder eine erlebnisorientierte Aktion gegen diese Schreibtischverbrecherin bleiben selbstverständlich aus.
Das Schweigen der Schweine gehört zur Machtausübung.

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Donnerstag, 23. Februar 2017
Bleiberechtsphantasie auf der Couch
Bleibeperspektive und Bleiberecht, das sind aktuelle Wörter aus der Gutmenschenrhetorik, gefordert für alle, selbstverständlich.
Darauf kann man nur gemäßigt reagieren, das Mitleid mit den Forderern ist schon dabei. Der nüchterne realistische Blick ginge auf Herkunftsländer und politische Verfolgung, der Blick auf das Persönliche ist aber interessanter – was sagen die damit über sich? Doch deutlich, dass sie selbst gern bleiben möchten, und das bedeutet, dass sie Angst vor dem Altwerden und dem anschließenden Gestorbensein haben. Menschlich gewiss, aber ein Mangel an Selbstschätzung. Ein Gefühl eigener Sinnlosigkeit, projiziert ins allgemein Politische.
Aber auch: ein verdrängtes Gefühl der Gefahr, der Bedrohung. Man fordert letztlich, nicht vom Ansturm hinweggefegt zu werden.

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Mittwoch, 22. Februar 2017
Schulzstruktur
Wenn Schulz anfängt, mit Programmatik anzukommen, ist zwar der Zauber nicht ganz verflogen, aber es nützt nichts. Genützt hat es aber, was Sigmar Gabriel gemacht hat, und es gibt bisher nur Erklärungen, woran es nicht liegt, dass es funktioniert hat.

Die gestiegene Beliebtheit und die verbesserten Werte für die SPD liegen wohl allein in der dramaturgischen Struktur des Vorgangs begründet. Jemand wird gegen die Kanzlerin positioniert. Endlich. Sigmar Gabriel macht Platz, na bitte, geht doch. Der SPD wird jemand vorgesetzt, der sich nicht durch das Parteiengeflecht gewurmt hat, soweit man weiß, schön. Und Martin Schulz ist Typ. Die Partei ist Apparat.

Dies alles soll nur die Wirkung beschreiben, so kommt es an. Und das sagt mehr über die Parteienverdrossenheit als jede ausformulierte Kritik. Martin Schulz steht für die Mängel, für das, was schiefläuft, aber noch wird er nicht damit identifiziert. Das hätte anders sein können, wäre er vor einem Jahr aufgestellt worden.

Vielleicht nimmt sich die CDU daran ein Beispiel. Ach, ja, kann sie ja nicht.

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